Als ich meinen ersten eigenen Hund bekam, war ich natürlich in Sachen Hundeverein oder Hundeschule schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Nicht nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon etwa zwanzig verschiedene Hundeschulen und -vereine von innen gesehen hatte. Meine privaten Vorerfahrungen umfassten damals drei Familienhunde, die ebenfalls als Welpen gekommen waren und unzählige Spaziergänge mit so ziemlich jedem Hund der gesamten Nachbarschaft. Zudem hatte ich auch noch so manches gute Buch verschlungen und kannte mich mit Welpenerziehung enorm gut aus. Damals allerdings noch ohne Trainer-Ambitionen.

So weit, so gut. Jetzt wollte ich aber gerne eine gute und günstige Lösung für die Sozialisierung meines eigenen Welpen. Fernab der Heimat, in meiner Studentenstadt, klapperte ich also alle Hundeschulen und Vereine ab.

Selbiges tat ich viele Jahre später noch einmal mit meiner Trude, die bekanntermaßen schon aufgrund ihrer Genetik eine ziemliche Vollkatastrophe ist und keine Erziehungsfehler verzeiht.

Meine kleine Zusammenfassung erhaltet ihr hier. Ich entschuldige mich schon jetzt bei allen Hundevereins-Trainerinnen und Trainern. Ich weiß, dass es auch gute gibt und ich durfte sogar zwei davon kennenlernen. Aber das, was ich gesehen habe, war teilweise sehr verstörend, fachlich inkorrekt und gerade im Welpen- und Junghundebereich inakzeptabel. Für wen sich ein Verein trotzdem eignet und welche Vor- und Nachteile beide Optionen bieten, erfährst du im Folgenden:

Der Hundeverein

Vorteile:

  • Preis! Der Hundeverein ist günstig! Wer nicht viel Geld in die Erziehung und Sozialisierung seines Hundes stecken möchte, der ist hier auf jeden Fall gut aufgehoben.
  • Guter sozialer Anschluss für den Menschen!
  • Unter Umständen sehr gut für Beschäftigung und Sport

Nachteile:

  • Es ist sehr schwer, einen guten zu finden!
  • Unter Umständen mehr Verpflichtungen aufgrund der Vereinstätigkeit
  • Teilweise sehr verstaubte Praktiken und wenig Fachkompetenz (Das ist natürlich nicht überall so)
  • Oft werden in den Welpengruppen (Die für die Entwicklung des Tiers am wichtigsten sind!) die unerfahrensten Trainerinnen und Trainer eingeteilt. Das ist mir absolut unverständlich!
  • Konkrete Probleme können oft nicht vernünftig analysiert und behandelt werden
  • Für Erziehungs-, Junghunde- und Welpengruppen oft weniger geeignet

Es gibt einige Trainerinnen und -trainer in Hundevereinen, die sind wirklich gut. Sie haben ein tolles Gespür für Hunde und ihre Menschen, kennen sich recht gut aus und sie passen auch in den Welpengruppen auf, dass alles vernünftig läuft.

Das habe ich aber leider nur ein einziges Mal gesehen.

Für wen eignet sich ein Hundeverein?

Im Grunde für jeden, der mit seinem Hund „etwas machen“ möchte. Am besten geeignet ist der Verein aber für all jene, denen es um reine Freizeit-Aktivität geht und die sonst keine großen Probleme haben. Vor allem Sportgruppen sind in Hundevereinen oft sehr gut und machen Mensch und Hund große Freude.

Gerade für sozial eher unproblematische Hunde ohne große Baustellen, deren Menschen gerne aktiv sind, ist der Verein eine gute Alternative zur teureren Hundeschule!

Welpenerziehung im Hundeverein

Insbesondere, wenn du mit deinem Welpen in einen Hundeverein gehen möchtest, dann solltest du in der Lage sein, kritisch zu hinterfragen, was gemacht wird. Außerdem ist es sinnvoll, parallel entweder einen sehr guten Welpenkurs zu machen, zum Beispiel online, oder Einzelstunden bei einem guten Trainer zu nehmen. Wissen ist Macht und es ist wichtig, einschätzen zu können, ob das, was dort gemacht wird, richtig ist! Wenn du ein schlechtes Bauchgefühl hast, darfst du diesem vertrauen!

Was die Welpengruppen im Verein angeht, erinnere ich immer wieder gerne daran:
Besser keine Welpengruppe, als eine schlechte!

Was ist mir im Hundeverein bei den Welpen begegnet?

Die schlimmste Situation, der ich beiwohnen durfte, war folgende. Ein kleiner, noch sehr zurückhaltender Welpe wurde auf den Platz gebracht. Statt zunächst den neuen Welpen abzuleinen und sein Erkundungsverhalten zu beobachten (Oder die Besitzer zu instruieren, wie dem Welpen Schutz geboten werden kann), wurden alle Hunde gleichzeitig losgelassen. Der Neuankömmling erschreckte sich und rannte panisch quietschend in einen Schafszaun.

Ungünstig! Blöde Erfahrung. Das muss nicht sein.

Zudem wurden leider teilweise vollkommen falsche Theorien vermittelt. Etwa, dass es Welpenschutz wirklich gebe (Nein, gibt es außerhalb des eigenen Sozialverbands nicht!).

In den Trainings mit etwas älteren Junghunden wurde wahl- und ziellos an der Leine geruckt, es gab keinen individuellen Blick auf bestimmte Charaktere und Hundetypen. Dafür aber leider sehr viel Meinung, basierend auf etwas dünnem Wissen.

Schade!

Außerdem werden manchmal sehr ungünstige Verhaltensweisen eher gefördert (Zum Beispiel bei unruhigen Hunden, die eher Ruhe lernen müssten). Rassespezifische Besonderheiten finden selten oder zu wenig Berücksichtigung (Außer, es ist ein Verein mit Rassebezug. Aber auch hier darf man kritisch bleiben – Schäferhundvereine haben ihren schlechten Ruf leider oftmals nicht gänzlich ohne Grund. Auch hier gilt: Es gibt auch sicherlich gute! Pauschalaussagen können hier nicht getroffen werden.).

Nur einen wirklich guten Hundeverein konnte ich ausmachen. Schau also, wenn du dir einen Hundeverein aussuchst, genau hin. Vertraue auf dein Gefühl und lasse dich nicht beirren, wenn dir etwas komisch vorkommt!

Hundeschule oder Verein

Die Hundeschule im Vergleich zum Verein

Vorteile:

  • In der Regel ausgebildete Trainer
  • Dadurch oft mehr Fachwissen
  • Du kannst konkrete Verhaltens- und Erziehungsprobleme gezielt bearbeiten
  • Einzelstunden möglich

Nachteile:

  • Preis
  • Auch ausgebildete Trainer müssen nicht immer gut sein – Augen auf!

Für wen eignet sich die Hundeschule besser?

Prinzipiell für jeden, der mit seinem Hund trainieren möchte. Besonders aber für Welpenbesitzer und für all jene, bei denen es wirklich konkret um Erziehung geht. Vor allem dann, wenn es bereits Schwierigkeiten gibt und konkrete Hilfe in Anspruch genommen werden soll!

Hundeschulen sind sehr verschieden – schaue dir die Qualifikationen an, frage nach Erfahrungen anderer und versuche außerdem, dir selbst ein Bild zu machen.

Wenn du einen ganz entspannten Hund hast, der überhaupt keine Probleme macht und mit dem du lediglich gerne etwas Nettes unternehmen und andere Hundebesitzer treffen möchtest, dann ist ein Verein vielleicht das Richtige für dich!

Für alle konkreten Anliegen würde ich immer eine gute Hundeschule empfehlen!

Du darfst nicht vergessen, dass viele Hundetrainer sehr viel Geld für eine gute Ausbildung bezahlt haben. Diese Trainer werden niemals unentgeltlich oder für einen sehr geringen Lohn im Verein arbeiten. Wenn du also Hilfe brauchst, die wirklich professionell ist, wirst du hierfür wahrscheinlich auch Geld in die Hand nehmen müssen.

Woran erkenne ich eine gute Welpenspielgruppe?

Damit du Anhaltspunkte hast, eine gut geführte Gruppe von einer schlecht geführten zu unterscheiden, gebe ich dir im Folgenden einige Anhaltspunkte mit. Kein Punkt ist absolut, es geht immer um das Gesamtpaket. So kann ein erfahrener Trainer auch mal 10 Welpen in einer Gruppe haben oder in bestimmten Situationen nicht eingreifen, obwohl du es vielleicht erwartet hättest. Dies sind manchmal individuelle Entscheidungen. Solange der Hundetrainer dir schlüssig erklären kann, warum er welche Entscheidungen trifft, ist das natürlich okay.

Mögliche Merkmale einer schlechten Welpengruppe:

  • Mehr als 8 Welpen in einer Gruppe bzw. pro Trainer
  • Keine Rücksicht auf kleinere, neue oder schüchterne Welpen
  • Sprüche wie „Die klären das jetzt unter sich“, wenn ein Unterlegener von mehreren anderen Welpen attackiert wird und wirklich Hilfe braucht
  • Individuelle Besonderheiten einzelner Hunde werden weder erklärt, noch berücksichtigt
  • Einzelne Welpen haben Angst, erhalten aber keinen Schutz
  • Einzelne Welpen ärgern andere, lassen sich nicht bremsen und werden vom Trainer nicht daran gehindert
  • Es wird nur getobt, es gibt keine Ruhephasen
  • Deine Nachfragen werden nicht ernst genommen: Manchmal ist eine Entscheidung des Trainers schwierig zu verstehen. Etwa, wenn er zwei sich kabbelnde Welpen nicht voneinander trennt. Es ist dann Aufgabe des Trainers, zu erklären, warum er so entschieden hat. In einem solchen Fall könnte er etwa sagen: “Aggressives Verhalten gehört zum normalen Verhaltensspektrum von Hunden und muss gelernt werden. Auch Streiten will gelernt sein. Deswegen lassen wir auch aggressive Auseinandersetzungen zu, wenn es für beide Kontrahenten vertretbar ist.”

Beispiele für eine gute Welpengruppe

  • Pro Trainer maximal 6 – 8 Welpen
  • Verhalten wird beobachtet und erklärt
  • Nachfragen werden geduldig beantwortet
  • Welpen dürfen sich auch mal zoffen, aber wenn einer sich nicht selbst helfen kann, greift der Mensch ein
  • Der Trainer zeigt, wie eher zurückhaltende Welpen geschützt und andere Hunde abgeblockt werden können
  • Es gibt einige ruhige Übungseinheiten, nicht nur Toben
  • Das Ableinen erfolgt nicht wahllos, sondern mit Bedacht.
  • Du bekommst erste Tipps und Hinweise für die Erziehung (Richtiges Ableinen, wann sollte man rufen, wann nicht…)

Fazit: Hundeverein oder Hundeschule

Weder das eine, noch das andere ist grundsätzlich und in jedem Fall besser. Es kommt sowohl auf die jeweiligen dort tätigen Menschen und die Vereinsphilosophie, als auch dein konkretes Anliegen an.

Für Welpen würde ich immer dazu tendieren, eine gute Hundeschule zu finden – denn das ist schon schwierig genug! Von all den Welpengruppen, die ich in Hundeschulen gesehen habe, waren vielleicht 20 % wirklich professionell gemacht und so gestaltet, dass die Menschen daraus das mitnehmen konnten, was sie brauchten.

Wem es lediglich um Beschäftigung und Sport mit dem Hund geht, der ist in einem Hundeverein oftmals sehr gut aufgehoben! Denn Vereine bieten vor allem gute Freizeitaktivitäten für Mensch und Hund an, ebenso tolle Sportangebote.

Wer nun aber ein konkretes Anliegen und ernstzunehmende Probleme hat, wird in einer Hundeschule mit höherer Wahrscheinlichkeit den richtigen Ansprechpartner finden. Was nicht bedeutet, dass es nicht Vereinstrainerinnen und -trainer gibt, die ihren selbstständigen Kollegen in mancher Hinsicht sogar überlegen sind. Wenn du dir selbst zutraust, das richtig einschätzen zu können, lohnt sich auch ein Blick in die Hundevereine deiner Umgebung!

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